Vokabeln leichter lernen
Für viele Schüler ist das Lernen von Vokabeln eine Qual, aber auch Erwachsene tun sich damit schwer. Mit den folgenden Tipps und den richtigen Werkzeugen kann aus stumpfsinnigen Pauken effektives Lernen werden.
Problem #1: Keine Lust
Kleine Kinder lernen nicht, weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Wer sich die Vokabeln aus dem Schulbuch widerwillig reinwürgt, weil Lehrer oder Eltern das wollen, hat wenig Aussicht auf Erfolg. Selbst wenn man es mühevoll schafft, die Vokabeln abzuspeichern, wird dies nicht von langer Dauer sein - das Gehirn wird versuchen, diesen unerwünschten Ballast schnell wieder loszuwerden.
Problem #2: Lernmethode
In Schulbüchern, auf Karteikarten oder Grundwortschätzen werden Vokabeln in der Regel als Wortpaare in Form von Vokabel = Übersetzung dargestellt. Dies mag für Wörterbücher durchaus sinnvoll sein, zum Lernen der Vokabeln dagegen ist es wenig sinnvoll.
Wenn wir jemandem, der Eintopf nicht kennt, zeigen möchten, wie eine typische italienische Minestrone schmeckt, kommen wir kaum auf die Idee, ihm die Zutaten einzeln zu verabreichen - erst Tomaten, dann Karotte, anschließend ein paar Erbsen, usw. Um zu begreifen, was die Suppe ausmacht, muss man nicht jede einzelne Zutat erkennen und identifizieren können, sondern ein Gefühl für die Gesamtkomposition erhalten. Die Vokabeln sind aber nichts anderes als einzelne Erbsen oder Salzkörner oder ... in dieser Suppe, und was eine Erbse ist, lerne ich am besten, wenn ich mal Erbsen als Suppe, mal Erbsen als Beilage zum Steak oder als ..? esse. Für die Vokabeln gilt nichts anderes - idealerweise begegnet man mit ihnen nicht einzeln als Wörter auf dem Papier, sondern im Zusammenhang und in wechselnden Formen (gesprochen, gelesen). Am besten sollte es ein Zusammenhang sein, der einem "schmeckt" - ein Buch, das einen interessiert, ein spannender Film oder ein Zeitungsartikel, den man gern verstehen möchte.
Bei Schülern und Eltern findet letzteres oft wenig Gehör - warum irgendwelche Vokabeln lernen, die nicht im Schulbuch stehen und die ich deshalb gar nicht brauche? Tatsächlich funktioniert Lernen umgekehrt - wenn ich Vokabeln lerne, weil mich ein Thema interessiert, werde ich diese nicht nur verstehen, sondern über kurz oder lang selbst anwenden wollen und können. Der Weg zum aktiven Vokabular ist so viel leichter als mit der Brechstange. Mit zunehmendem Selbstvertrauen erschließt sich auch das Schulvokabular zum größten Teil von selbst.
Wichtiger noch: trotz allem Druck, Vokabeln nach dem Schulbuch zu lernen, sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass auch in der Schule die Zeit, in der die Note davon abhängt, wie gut man die Vokabeln aus der Green Line wiederkauen kann, schnell zu Ende geht, und es dann darauf ankommt, wie wohl man sich mit neuen Texten fühlt, ob man selbst Sätze basteln kann etc.. Hier ist schnell im Vorteil, wer den Mut hatte, über das verordnete Pflichtprogramm hinauszuschauen und versucht, selbst mit der Sprache in Kontakt zu kommen.
Die häufigsten Fehler - so minimiert man den Lernerfolg
Die folgenden Faktoren sind häufig die Ursache für mangelnde Fortschritte und Lernfrust:
- Kein Ziel vor Augen. Bevor man versucht, Vokabeln zu lernen, sollte man sich darüber klar werden, warum man das eigentlich tut. Was ist eigentlich das Ziel? Nein, die Vokabeln endlich zu "können", ist das denkbar schlechteste Ziel. Kein Mensch lernt tauchen, um nicht unter Wasser zu ertrinken. Das Beherrschen des Vokabulars ist allenfalls der Weg, nicht das Ziel. Wer Englisch lernen möchte, um im nächsten Vertriebsmeeting mitreden zu können, hat eine andere Motivation als jemand, der Englisch von Chef verordnet bekommt. Wer sich in Frankreich verliebt, findet die unregelmäßigen Verben sicher verdaulicher als jemand, der Französisch am liebsten abwählen würde.
- Fixiertheit auf eine bestimmte Lernmethode. Nur weil die beste Freundin (oder schlimmer noch: der Lehrer) auf Karteikarten aus Pappe schwört, heißt da noch lange nicht, das man selbst mit dieser Methode zurechtkommt. Menschen sind unterschiedlich, ihre Gehirne und Geschmäcker auch. Ob man am besten mit Bildern, Klang, Songtexten, Schüttelreimen, Superlearning, Abschreiben oder Wortbrücken lernt, weiß man erst, wenn man es ausprobiert hat. Es gibt nicht die Methode, nach der man am besten Vokabeln lernt, auch wenn einen die Werbung das oft glauben machen will.
- Übermotiviertheit. Nachdem man es eine ganze Weile hat schleifen lassen, packt einen plötzlich der Ehrgeiz und man will sich endlich die 1.200 Vokabeln aus dem Grundwortschatz "reinprügeln". Das ist ungefähr so sinnlos wie 40 Minuten Zähneputzen, nachdem man eine Woche ausgesetzt hat. Unser Gehirn ist kein trockener Schwamm, der sich einfach mal so vollsaugen kann, sondern ein komplexes Gebilde, das konstante Impulse (= Herausforderungen) braucht, um beim Lernen bei Laune gehalten zu werden. Daher kann man auch getrost alle "Speedlearning"-Versprechungen ("Lernen Sie 800 Vokabeln in 2 Stunden") vergessen - das ist ungefähr so realistisch, wie mit Super-Situps in 2 Tagen von 5 Kilo zuviel zum Sixpack zu gelangen...
Die Lösung: nicht Vokabeln, sondern Sprachen lernen
Für jeden Kenntnisstand gibt es Möglichkeiten, auf eigene Faust mit der Sprache in Kontakt zu kommen:
Fast alle DVDs haben heute Originaltonspuren, so dass das gesamte Hollywood-Sortiment für Englisch zur Verfügung steht. Zu schwer? Untertitel einschalten - am besten die Englischen(!). Und man muß nicht alles auf Anhieb verstehen.- Für Englisch und Französisch gibt es Unmengen von Comics für jeden Geschmack - auch für Erwachsene. Auch hier helfen die Bilder und man muß nicht jede Vokabel verstehen. Ein paar Anregungen: Englisch (für Kinder): Peanuts, (für Erwachsene): Watchmen Französisch: Tintin
- Bücher. Wie wäre es mit "Bis(s) zum Morgengrauen" auf Englisch (Original-Titel: Twilight)? Sicher kein Charles Dickens, dafür aber mit überschaubarem Vokabular, so dass man recht leicht "reinkommen" sollte.
- Oft etwas schwieriger einzufädeln, aber ungleich effektiver: Austausch mit Muttersprachlern.
Darüberhinaus macht es durchaus Sinn, ergänzend den Computer einzusetzen. Bei der Entwicklung des Online-Vokabeltrainers planet-tmx wurde versucht, die beschriebenen Schwächen des Paukens von Vokabeln zu vermeiden - hier kann jede einzelne Vokabel in unterschiedlichen Gestalten auftauchen - mit Bildern und Aussprachebeispielen verknüpft, als Lücke in Beispielsätzen, als Multiple-Choice Aufgabe, mit Definitionen, Synonymen u.v.m.. So kann man etwa Latein mit Bildern lernen. Durch die verschiedenen Übungsformen wird das Gehirn gezwungen, jedesmal neu nachzudenken und die Vokabeln zu verknüpfen statt einfach die Antwort "aus dem Cache" (sprich Kurzzeitgedächtnis) abzurufen. Neben den variablen Formen der Abfrage sorgen Spiele für zusätzliche Motivation (auch bei Erwachsenen). Neuerdings bietet die Lernplattform auch Mindmaps:
All das hilft beim Aufbau eines aktiven Wortschatzes. Da schon eine Menge Vokabeln für Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch etc. enthalten sind und man selbst welche eingeben kann, bleibt es einem überlassen, ob man sich lieber mit den Vokabeln aus dem Schulbuch oder denen zu Harry Potter beschäftigt.
Alternativ: unter Windows bieten die *tmx Vokabeltrainer ein breites Spektrum an Lernmethoden, darunter eine Reihe unterschiedlicher Superlearning-Varianten, Games, einen virtuellen Karteikasten (Leitner-Methode) mit Wiederholungsplanung für das Langzeitgedächtnis und einer variablen Abfrage. Die Vokabeltrainer lassen sich hier kostenlos als Demo herunterladen und ausprobieren.
Dabei ist es wie beim Zähneputzen: wichtig ist Kontinuität. Sich jeden Tag 5 Minuten mit den Vokabeln der Wahl zu beschäftigen bringt weit mehr, als sich mit der Hau-Ruck-Methode am Tag vor der Klassenarbeit den Kopf vollzustopfen. Mit Hilfe des Karteikasten-Prinzips werden so nämlich die Vokabeln systematisch wiederholt und landen eher im Langzeitgedächtnis.